Konkurrenz für Google?
21. Februar 2007 | ID: 265 | 715 ArtikeleinblendungenWikipedia-Gründer Jimmy Wales kündigt konkrete Pläne für neue Suchmaschine an
Wikipedia-Gründer Jimmy Wales plant den Aufbau einer kommerziellen Suchmaschine. Das wurde bereits Ende letzten Jahres bekannt. In einem Zeitungsinterview wurden nun weitere Details enthüllt. Wikia Search soll wie das Online-Lexikon Wikipedia von seinen Nutzern aufgebaut und gepflegt werden und Ende des Jahres ans Netz gehen. In Wales’ strategischem Visier steht Suchmaschinenprimus Google.
Die Suchmaschinenfirma Google kommt in Deutschland auf einen Marktanteil von derzeit 87,1 Prozent. Zählt man die anderen Suchmaschinen hinzu, die ihre Ergebnislisten von der kalifornischen Suchmaschine beziehen, liegt der Marktanteil des US-amerikanischen Suchmonopolisten sogar noch höher. In keinem anderen Medium würde eine solche Machtkonzentration politisch geduldet, sagt der Hannoveraner Suchmaschinenexperte Wolfgang Sander-Beuermann.
Algorithmus ist Geschäftsgeheimnis
Denn Suchmaschinen wie Google legen nicht nur fest, was im World Wide Web gefunden werden kann. Sie bestimmen obendrein, welche Webseiten wichtiger als andere sind und auf den Suchergebnislisten weiter oben stehen sollen. Spezielle Algorithmen sorgen für die richtige Platzierung. Die exakte Formel, nach der Google die Webseiten-Streu vom Weizen trennt, ist wohl gehütetes Geschäftsgeheimnis des kalifornischen Suchgiganten. Niemand außerhalb von Google weiß, wie diese Algorithmen funktionieren.
Jimmy Wales will mit der von ihm geplanten Suchmaschine alles anders machen. Eine offene Gesellschaft braucht Offenheit und Transparenz, erklärte der Wikipedia-Begründer kürzlich gegenüber der Süddeutschen Zeitung. Die Art und Weise, wie die Suche im Internet organisiert werde, sei dabei fundamental. Statt wie Google & Co. auf geheim gehaltene, intransparente Algorithmen setzt Wales auf die offene Gemeinschaft aller Nutzer. Vorbild ist die Wikipedia.
Suchmaschinenspammer versuchen immer wieder, die Ergebnisse der Google-Suche zu manipulieren. Oftmals mit Erfolg. Der Nutzer, der sich durch ellenlange Ergebnislisten und einen Wust von Schrottseiten wühlen muss, hat das Nachsehen. Google ist bei vielen Suchen sehr gut. Bei vielen anderen dagegen liefert Google nichts als Spam und Schrott, hatte Wales bereits Ende letzten Jahres gegenüber der britischen Times erklärt. Schuld sei die Tatsache, dass Google alle Webseiten nach bestimmten mathematischen Methoden und Verfahren automatisch bewerte und einstufe.
Der menschliche Faktor
Die wichtigste Aufgabe einer Suchmaschine sei zu entscheiden, ob eine Webseite gut sei oder schlecht. Computerprogramme seien Wales zufolge aber denkbar ungeeignet, ein solches Werturteil zu fällen. Die redaktionelle Bewertung von Webseiten durch Menschen sei durch keinen noch so perfekten Algorithmus zu ersetzen. Die menschliche Urteilskraft ist im Zweifelsfall viel effektiver, so Wales.
Wikia Search soll deshalb ähnlich wie das Online-Nachschlagewerk Wikipedia funktionieren. Die Internet-Enzyklopädie wird in einer Gemeinschaft von Nutzern regelmäßig ergänzt, redigiert und verbessert, erklärte Wales der Süddeutschen Zeitung. Auch bei Wikia Search wird eine Gemeinschaft von Nutzern die ganzen Websites positiv oder negativ bewerten und hinterher in eine Rangfolge einordnen. Man habe beim Wikipedia-Projekt inzwischen viele Erfahrungen gesammelt, wie man Gemeinschaften im Internet effizient organisieren könne. Diese Erfahrungen werde man bei Wikia Search etwa für die Entwicklung klarer Qualitätsstandards für die Bewertung und Klassifizierung von Webseiten nutzen.
Anders als mit der gemeinnützig organisierten Wikipedia will Wales mit seinem neuen Projekt in absehbarer Zukunft Geld verdienen. Wales Firma Wikia wird die Suchmaschine entwickeln, betreiben und vermarkten. Wikia Search soll sich wie Hauptkonkurrent Google über Werbung finanzieren. Es gibt gar keinen Zweifel daran, dass Suchmaschinen heute extrem attraktiv für Werbekunden sind, ist Wales überzeugt.
Vier Millionen Dollar Startkapital
An Investoren, die ebenso wie Wales an den Erfolg des neuen Suchmaschinenprojekts glauben, herrschte offenbar bisher kein Mangel. Wales zufolge sei die Anschubfinanzierung längst gesichert. Neben Online-Buchhändler Amazon werden Internetgrößen wie Mitch Kapor, Gründer des Softwarehauses Lotus, sowie Marc Andreessen, Erfinder des Internet-Browsers Netscape, mit von der Partie sein.
Allein in der ersten Runde sammelten wir vier Millionen Dollar ein, so Wales. Davon wurden mittlerweile Entwickler eingestellt und Hardware angeschafft. Wales geht davon aus, dass Wikia Search in einer ersten Beta-Version gegen Ende des Jahres online gehen könne. Diese Version werde allerdings noch nicht besonders gut sein, sondern muss sich in den folgenden Monaten innerhalb der Gemeinschaft der Nutzer weiter entwickeln.
Keine Chance für Microsoft
Ob das Konzept einer nutzerbasierten Suchmaschine in der Praxis wirklich funktioniert und Wikia Search Marktführer Google dereinst zumindest ansatzweise in die Schranken weisen kann, bleibt abzuwarten. Wales jedenfalls gab sich gegenüber der britischen Times schon im Dezember letzten Jahres optimistisch. Wenn die Qualität stimmt, werden die Leute schon zu uns kommen. Andere Suchmaschinen-Startups hegten ähnlich hoch fliegende Erwartungen und mussten sich auf dem hart umkämpften Suchmaschinenmarkt dann doch mit einem Nischenplatz begnügen.
Sogar Softwareriese Microsoft ist mit seiner Suchmaschine bisher am Markt gescheitert. Trotz der erheblichen finanziellen Mittel, die der Redmonder Softwarekonzern in die Entwicklung einer eigenen Suchtechnologie gesteckt hat, ist es Microsoft bis dato nicht gelungen, die hauseigene Suchmaschine als feste Größe auf dem Suchmaschinenmarkt zu etablieren und Suchmaschinenprimus Google in nennenswertem Umfang Marktanteile abzujagen. In den USA liegt Microsofts Live Search hinter Google und Yahoo abgeschlagen auf dem dritten Platz - mit fallender Tendenz.
Quelle: http://www.heute.de
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Artikel wurde veröffentlicht am: Mittwoch, 21. Februar 2007
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